Wer bei der kommunalen Wärmeplanung nur an die nächste Heizung denkt, greift zu kurz. Wenn in einem Wohngebiet immer mehr Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen, Stromspeicher und Elektroautos hinzukommen, verändert sich nicht nur die Energieversorgung einzelner Gebäude. Auch das örtliche Stromnetz muss mit dieser Entwicklung Schritt halten.
Genau diese Wechselwirkung untersucht das Forschungsprojekt KWPconnect direkt bei uns in Birkenwerder und Hohen Neuendorf. Das Projekt verbindet die kommunale Wärmeplanung mit einer Analyse des gesamten Energiesystems. Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die technisch sinnvoll, bezahlbar und auf ganze Quartiere übertragbar sind. KWPconnect läuft von Oktober 2025 bis September 2027.
KWPconnect kurz erklärt: unser Video
In unserem Donnerstags-Reel erklären wir die Kernfrage des Projekts in rund einer Minute: Wie können Wärmepumpen, Photovoltaik, Speicher, E-Mobilität und das Stromnetz künftig sinnvoll zusammenspielen?
Was ist KWPconnect?
KWPconnect steht für die Verbindung von kommunaler Wärmeplanung und Energiesystemanalyse. Beteiligt sind die Stadt Hohen Neuendorf, die Gemeinde Birkenwerder, das Reiner Lemoine Institut, Fraunhofer UMSICHT und die EMB Energie Brandenburg.
Die Stadt Hohen Neuendorf übernimmt die Konsortialleitung. Die beiden Kommunen bringen lokale Daten und Kenntnisse ein. Die wissenschaftlichen Partner analysieren Energiesysteme und entwickeln geeignete Methoden und Quartierskonzepte. Die EMB ergänzt das Projekt um die praktische Perspektive eines Energieversorgungsunternehmens.
Im Mittelpunkt steht nicht nur die Frage, womit Gebäude künftig beheizt werden können. Untersucht wird auch, welche Auswirkungen neue Wärme- und Energielösungen auf Stromnetze, Gasnetze, erneuerbare Energien und die Versorgung ganzer Wohngebiete haben.
Warum Wärmeplanung und Stromnetz gemeinsam betrachtet werden müssen
Die kommunale Wärmeplanung ist zunächst ein strategisches Planungsinstrument. Sie zeigt beispielsweise, in welchen Gebieten dezentrale Heizlösungen sinnvoll sein könnten und wo möglicherweise Wärme- oder Quartiersnetze infrage kommen.
Sie beantwortet aber nicht automatisch jede technische Frage zum Stromnetz. Wenn viele Gebäude gleichzeitig auf elektrische Wärmepumpen umsteigen, zusätzliche Photovoltaikanlagen errichtet werden und immer mehr Elektrofahrzeuge geladen werden, verändern sich Stromverbrauch und Stromerzeugung innerhalb eines Quartiers.
KWPconnect soll deshalb untersuchen, wo mögliche Engpässe entstehen könnten und wie Energieerzeugung, Verbrauch, Speicherung und Netzinfrastruktur besser aufeinander abgestimmt werden können. Die Projektpartner wollen daraus integrierte Quartierslösungen entwickeln, die Stromnetze entlasten und erneuerbare Energien effizient nutzen.
Wichtig für Eigentümer: Aus der kommunalen Wärmeplanung oder dem Forschungsprojekt ergibt sich nicht automatisch eine kurzfristige Verpflichtung, eine bestehende Heizung auszutauschen. Die Wärmeplanung bietet zunächst Orientierung. Konkrete Entscheidungen müssen weiterhin für jedes Gebäude individuell geprüft und geplant werden.
Die Größenordnung vor Ort
Wie bedeutend das Thema Wärmeversorgung ist, zeigen bereits die lokalen Bedarfszahlen.
Für Birkenwerder weist die Bestandsanalyse der kommunalen Wärmeplanung für das Jahr 2024 einen Wärmeenergiebedarf von rund 81,8 Gigawattstunden pro Jahr aus. Für Hohen Neuendorf wurde im Rahmen der dortigen Bestandsanalyse ein Bedarf von rund 241 Gigawattstunden pro Jahr ermittelt.
Diese Wärmebedarfe werden nicht einfach eins zu eins zu einem gleich hohen Strombedarf. Wärmepumpen nutzen zusätzlich Umweltwärme, Photovoltaikanlagen erzeugen Strom und Speicher können Energie zeitlich verschieben.
Trotzdem verdeutlichen die Zahlen die Größenordnung: Wenn sich die Versorgung vieler Gebäude verändert, müssen nicht nur einzelne Heizungen, sondern auch Netze, Erzeugungsanlagen und Speicher gemeinsam betrachtet werden.
Welche Lösungen untersucht das Projekt?
KWPconnect sucht nicht nach einer einzigen Lösung, die für jedes Gebäude und jedes Wohngebiet gleichermaßen gilt. Stattdessen werden ausgewählte Quartiere genauer untersucht.
Mögliche Bausteine sind beispielsweise:
- dezentrale Wärmepumpen,
- Photovoltaikanlagen,
- Strom- und Wärmespeicher,
- intelligente Steuerungen,
- Elektromobilität und Ladeinfrastruktur,
- Nahwärme- oder Quartiersnetze,
- Energiegemeinschaften,
- sowie der zukünftige Umgang mit bestehenden Gasnetzen.
Welche Kombination sinnvoll ist, hängt unter anderem von der vorhandenen Bebauung, dem Wärmebedarf, der Netzinfrastruktur, den verfügbaren Flächen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. In den offiziellen Projektinformationen werden unter anderem Nahwärmenetze, Energiegemeinschaften und die zukünftige Rolle des Gasnetzes als Untersuchungsfelder genannt.
Was bedeutet KWPconnect für Immobilieneigentümer?
Das Projekt trifft keine unmittelbare Entscheidung für ein einzelnes Haus. Dennoch können die Ergebnisse langfristig für Eigentümer, Wohnungseigentümergemeinschaften und Investoren wichtig werden.
Heizungsentscheidungen besser einordnen
Vor dem Austausch einer Heizung sollte nicht nur das Alter der bestehenden Anlage betrachtet werden. Wichtig sind auch der energetische Zustand des Gebäudes, der tatsächliche Wärmebedarf, die vorhandenen Heizflächen und mögliche Entwicklungen im Wohngebiet.
Photovoltaik und Speicher gemeinsam planen
Eine Photovoltaikanlage kann einen Teil des Strombedarfs einer Wärmepumpe oder eines Elektrofahrzeugs decken. Ob zusätzlich ein Speicher sinnvoll ist, hängt vom Verbrauchsprofil und von der Größe der Anlage ab.
Ladeinfrastruktur frühzeitig berücksichtigen
Bei Mehrfamilienhäusern und Wohnungseigentümergemeinschaften können zusätzliche Wallboxen größere technische und organisatorische Fragen auslösen. Leitungswege, Hausanschluss, Lastmanagement und gemeinschaftliche Beschlüsse sollten möglichst früh bedacht werden.
Investitionen langfristig betrachten
Aus unserer Sicht werden Energieversorgung, Netzinfrastruktur und energetischer Gebäudezustand bei Immobilienentscheidungen künftig noch enger zusammengehören. Das betrifft nicht nur Sanierungen, sondern auch Verwaltung, Vermietung, Verkauf und Immobilienbewertung.
Eine neue Heizung oder Photovoltaikanlage sollte daher nicht isoliert betrachtet werden. Sinnvoll ist ein abgestimmter Blick auf das gesamte Gebäude und die örtlichen Rahmenbedingungen.
Können sich Anwohner und Eigentümer beteiligen?
Die Beteiligung lokaler Akteure ist ein wichtiger Bestandteil von KWPconnect. Bereits bei der Auftaktveranstaltung wurden Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, geeignete Quartiere für eine vertiefende Untersuchung vorzuschlagen.
Die Informations- und Beteiligungsangebote richten sich unter anderem an:
- Anwohnerinnen und Anwohner,
- Hauseigentümer,
- Unternehmen und Gewerbetreibende,
- Investoren,
- die Wohnungswirtschaft,
- Vereine und lokale Initiativen.
Für die zweite Jahreshälfte 2026 wurden weitere Workshops angekündigt. Aktuelle Termine und Beteiligungsmöglichkeiten sollten direkt über die offizielle Projektseite oder die Internetseiten der beiden Kommunen abgerufen werden.
Unser Fazit: Ein wichtiges lokales Zukunftsthema
KWPconnect setzt an einer entscheidenden Stelle an: Kommunale Wärmeplanung, Stromnetz, erneuerbare Energien und Immobilien dürfen nicht unabhängig voneinander betrachtet werden.
Für Eigentümer bedeutet das nicht, dass jetzt sofort gehandelt werden muss. Es bedeutet aber, dass Entscheidungen zu Heizung, Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und energetischer Sanierung zunehmend im Zusammenhang mit der örtlichen Energieinfrastruktur getroffen werden sollten.
Hortus Haus ist nicht Teil des Forschungskonsortiums. Wir beobachten das Projekt aus Sicht der Immobilienpraxis und werden über wichtige Ergebnisse und Beteiligungsmöglichkeiten weiter berichten.
Sie planen Veränderungen an Ihrer Immobilie?
Sie besitzen eine Immobilie in Birkenwerder, Hohen Neuendorf oder im weiteren Oberhavel und beschäftigen sich mit Heizung, Photovoltaik, energetischem Zustand, Verwaltung oder Immobilienwert?
Hortus Haus unterstützt Sie dabei, die immobilienbezogenen Fragen zu strukturieren und sinnvolle nächste Schritte festzulegen. Bei weitergehenden technischen oder rechtlichen Themen beziehen wir bei Bedarf geeignete Fachpartner ein.
Sprechen Sie uns gerne an.
Häufig gestellte Fragen zu KWPconnect
Ist KWPconnect die kommunale Wärmeplanung?
Nein. Das Forschungsprojekt baut auf der kommunalen Wärmeplanung auf und ergänzt sie um eine weitergehende Energiesystem- und Stromnetzanalyse.
Muss ich wegen KWPconnect meine Heizung austauschen?
Nein. Aus dem Forschungsprojekt entsteht keine unmittelbare Austauschpflicht für eine bestehende Heizung. Maßnahmen an einzelnen Gebäuden müssen weiterhin individuell geprüft werden.
Wie lange läuft das Projekt?
KWPconnect läuft von Oktober 2025 bis September 2027.
Wer ist an KWPconnect beteiligt?
Beteiligt sind die Stadt Hohen Neuendorf, die Gemeinde Birkenwerder, das Reiner Lemoine Institut, Fraunhofer UMSICHT und die EMB Energie Brandenburg.
Können sich Eigentümer und Anwohner einbringen?
Ja. Die Einbindung lokaler Akteure ist ausdrücklich vorgesehen. Informationen zu aktuellen Veranstaltungen, Workshops und Beteiligungsmöglichkeiten veröffentlicht das Projektteam auf der offiziellen Projektseite.
Weiterführende Informationen und offizielle Quellen
Wer sich noch intensiver mit KWPconnect, der kommunalen Wärmeplanung und den Entwicklungen in Birkenwerder und Hohen Neuendorf beschäftigen möchte, findet weiterführende Informationen direkt bei den beteiligten Projektpartnern und Kommunen.
Dort werden die Ziele und Hintergründe des Forschungsprojekts erläutert, aktuelle Entwicklungen veröffentlicht und die jeweiligen kommunalen Wärmeplanungen ausführlicher dargestellt. Auch Informationen zu Beteiligungsmöglichkeiten, Veranstaltungen und zukünftigen Projektschritten werden dort regelmäßig ergänzt.
Besonders interessant sind die offiziellen Unterlagen für Eigentümerinnen und Eigentümer, die sich einen genaueren Überblick darüber verschaffen möchten, wie sich Wärmeversorgung, Stromnetz und Energieinfrastruktur in unserer Region langfristig entwickeln könnten.
Die folgenden Links führen zu den offiziellen Informationsseiten und Unterlagen: