Wird unsere Heimat verkauft? Was hinter den Grundstücksverkäufen in Birkenwerder und Hohen Neuendorf steckt
In Birkenwerder und Hohen Neuendorf fällt derzeit etwas auf: Die Kommunen bringen eigene Grundstücke auf den Markt.
Allein die Gemeinde Birkenwerder bietet aktuell vier gemeindeeigene Baugrundstücke zum Kauf an. Auch Hohen Neuendorf hat 2026 mehrere eigene Grundstücke ausgeschrieben – teilweise über ein besonderes Einheimischenmodell, aktuell außerdem ein Grundstück mit Bestandsgebäude in der Adolfstraße.
Ist das ungewöhnlich? Nicht unbedingt. Interessant wird es aber, wenn man genauer hinsieht: Warum verkaufen Kommunen eigenen Grundbesitz, welche Vorteile hat das – und was geben sie mit einem Verkauf langfristig aus der Hand?
Genau diese Frage haben wir uns einmal genauer angesehen.
Vier Baugrundstücke in Birkenwerder – mindestens 1,157 Millionen Euro
Aktuell bietet die Gemeinde Birkenwerder vier Grundstücke mit Bauverpflichtung an. Zusammen umfassen sie 2.868 Quadratmeter Grundstücksfläche. Die ausgewiesenen Mindestpreise summieren sich auf 1.157.000 Euro. Die Vergabe erfolgt über ein Bieterverfahren. Bei den Grundstücken ist vorgesehen, dass innerhalb von drei Jahren ein Gebäude zur eigenen Wohnnutzung entsteht.
Aktuell handelt es sich um:
- Sachsenstraße 8: 775 m² – Mindestpreis 315.000 €
- Stolper Weg 42: 752 m² – Mindestpreis 312.000 €
- Hohen Neuendorfer Weg 8, Vorderland: 671 m² – Mindestpreis 265.000 €
- Hohen Neuendorfer Weg 8, Hinterland: 670 m² – Mindestpreis 265.000 €
Warum verkauft eine schuldenfreie Gemeinde Grundstücke?
Hier wird es eigentlich erst interessant.
Birkenwerder ist nach eigener Aussage weiterhin schuldenfrei. Gleichzeitig haben sich die finanziellen Rahmenbedingungen der Gemeinde verschlechtert. Sinkende beziehungsweise schwächere Steuereinnahmen, steigende Kosten und Investitionen der vergangenen Jahre belasten den Haushalt.
Im ursprünglich erwarteten Haushalt 2026 stand ein Defizit von rund 1,3 Millionen Euro im Raum. Durch die geplante Veräußerung gemeindeeigener Grundstücke konnte dieses nach Angaben der Gemeinde auf rund 41.000 Euro reduziert werden. Im eigentlichen Haushaltsplan ist für Grundstücksverkäufe ein außerordentliches Ergebnis von rund 2,15 Millionen Euro vorgesehen.
Das zeigt sehr deutlich, warum Grundstücksverkäufe für Kommunen attraktiv sein können:
Ein vorhandener Vermögenswert wird zu kurzfristig verfügbarer Liquidität.
Damit können Investitionen finanziert, Haushalte entlastet oder finanzielle Engpässe abgefedert werden.
Hohen Neuendorf: Verkaufen – aber teilweise nach anderen Regeln
Auch Hohen Neuendorf hat 2026 mehrere kommunale Grundstücke angeboten.
Besonders interessant ist dabei das Einheimischenmodell. Im Laufe des Jahres wurden unter anderem Grundstücke in der Zühlsdorfer Straße 36 und 37 sowie der Briesestraße 22a in Bergfelde auf diesem Weg ausgeschrieben.
Das Besondere daran: Hier soll ausdrücklich nicht allein das höchste Gebot entscheiden.
Die Stadt begründet die Richtlinie unter anderem damit, Ortsansässigen bessere Chancen auf Wohneigentum zu geben, junge Familien in der Region zu halten und ehrenamtliches Engagement zu berücksichtigen. Auch Einkommen, Vermögen, Kinder und weitere Kriterien spielen bei der Auswahl eine Rolle.
Das ist immobilienwirtschaftlich ein spannender Ansatz.
Denn die Kommune verzichtet damit bewusst darauf, ausschließlich den maximal möglichen Verkaufspreis als Maßstab zu verwenden. Stattdessen wird der Verkauf gleichzeitig als Instrument der Stadtentwicklung genutzt.
Aktuell im Angebot: Adolfstraße 21
Ganz aktuell verkauft Hohen Neuendorf außerdem die Adolfstraße 21.
Das Grundstück ist 528 m² groß. Darauf befindet sich ein sanierungsbedürftiges Einfamilienhaus mit rund 55 m² Wohnfläche. Das Mindestgebot liegt bei 190.000 Euro. Bewerbungen können nach der aktuellen Ausschreibung bis zum 15. Oktober 2026 eingereicht werden. Die Vergabe erfolgt hier über ein Bieterverfahren – grundsätzlich erhält nach Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung das höchste Gebot den Zuschlag.
Ein Verkauf hat zwei Seiten
Kommunale Grundstücksverkäufe sind deshalb weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht.
Durch einen Verkauf fließt sofort Geld in den Haushalt. Gleichzeitig gelangt ein Grundstück möglicherweise in private Hände, wird bebaut und schafft neuen Wohnraum. Gerade unbebaute Flächen können auf diese Weise überhaupt erst einer konkreten Nutzung zugeführt werden.
Aber ein Verkauf ist eben auch endgültig.
Ein Grundstück, das einmal verkauft wurde, kann die Gemeinde später nicht mehr selbst entwickeln, vermieten, verpachten oder für andere kommunale Aufgaben nutzen. Auch mögliche zukünftige Wertsteigerungen und Erträge liegen dann beim neuen Eigentümer.
Genau deshalb ist die eigentliche Frage weniger:
„Warum verkauft die Gemeinde?“
Sondern vielmehr:
Welche Immobilien sollte eine Kommune verkaufen – und welche sollte sie langfristig behalten?
Eine Fläche, die heute nicht gebraucht wird, kann in zehn oder zwanzig Jahren eine ganz andere Bedeutung haben.
Gleichzeitig hilft ein Grundstück, das lediglich im Bestand liegt und laufend Kosten verursacht, einer Gemeinde ebenfalls nicht automatisch weiter.
Es geht also – wie so oft bei Immobilien – um die richtige Strategie.
Und was bedeutet das für den regionalen Immobilienmarkt?
Für Birkenwerder und Hohen Neuendorf sind solche Verkäufe auch deshalb interessant, weil Grundstücke in guten Lagen des Berliner Umlandes knapp sind.
Kommunale Angebote bringen zusätzliche Flächen auf den Markt und können neuen Eigentümern die Möglichkeit geben, in der Region zu bauen oder bestehende Immobilien weiterzuentwickeln.
Gleichzeitig zeigen die unterschiedlichen Modelle sehr schön, dass Immobilien nicht nur einen Kaufpreis haben.
Sie können Wohnraum schaffen, Erträge erwirtschaften, soziale Ziele unterstützen oder einer Kommune langfristig Gestaltungsmöglichkeiten sichern.
Die aktuellen Verkäufe sind deshalb nur ein Teil der Geschichte. Spannend wird, welche Immobilien unsere Gemeinden künftig behalten, entwickeln oder abgeben wollen.
Und genau das werden wir weiter beobachten.
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